Direkt zum Inhalt
|
Intro

Rudolf Urech-Seon

Seon, 1876 — 1959
Thumbnail

Von der Münchner Schule und Hodler geprägt beginnt Rudolf Urech-Seon (*18.2.1876 Seon - 23.7.1959 Seon) während seiner künstlerischen Ausbildung an der Münchner Kunstakademie (1913–1916) als naturalistischer Landschaftsmaler. Schon bald aber entwickelt er Kompositionen, in denen er sich auf die konstruktiven Elemente der Bildgegenstände wie Linie, Fläche und Rhythmus konzentriert bis hin zur Abstraktion mit geometrischen und rund schwingenden Formen in intensiven Farben. Urech-Seon wird damit zum ersten und lange einzigen abstrakten Maler im Kanton Aargau. Mangels Gleichgesinnten in der regionalen Künstlerschaft orientiert sich Urech-Seon an den Ausstellungen der Avantgarde in Zürich und Basel (1932 Picasso, 1933 Braque, 1938 Le Corbusier) und findet dort die Bestätigung für seinen eigenen künstlerischen Weg.

Kunstwerke
CV
CV

Geboren 1876 im aargauischen Seon. Nach der Flachmalerlehre 1905 Übernahme eines Malergeschäftes in Seon, das er zu Gunsten seiner künstlerischen Ausbildung bei Hermann Groeber an der Münchner Kunstakademie (1913–1916) aufgibt. Studium der Werke von Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach und Hans von Marées, Auseinandersetzung mit den deutschen Spätimpressionisten. 1918 endgültige Niederlassung in Seon. Um sich vom gleichnamigen Basler Maler Rudolf Urech (1888–1951) abzugrenzen, nennt er sich fortan Urech-Seon. Ab 1920 Mitglied der GSMBA-Sektion Aargau; ab 1947 in der Künstlergruppe Allianz. Erste Einzelausstellung 1919 in Seon, 1946 Einzelausstellung in der Zürcher Galerie „Des Eaux-Vives“; 1947 vertreten in der Ausstellung der Allianz im Kunsthaus Zürich, 1954 im Helmhaus Zürich; 1948 und 1950 „Salon des Réalités Nouvelles“ Paris; 1991 Retrospektive im Aargauer Kunsthaus Aarau.

Von der Münchner Schule und Hodler geprägt beginnt der Künstler als naturalistischer Landschaftsmaler. Dies verhilft ihm zur GSMBA-Mitgliedschaft und damit zu öffentlichen Aufträgen und zur Teilnahme an kantonalen Ausstellungen. Schon bald entwickelt er Kompositionen, in denen er sich auf die konstruktiven Elemente der Bildgegenstände wie Linie, Fläche und Rhythmus konzentriert. Mit diesen Werken hat er nur wenig Erfolg und gerät Ende der 1920er-Jahre in eine Schaffenskrise. Im Lauf der 1930er-Jahre findet er mit gedämpften, gebrochenen Farbklängen allmählich zur geometrischen Abstraktion, wobei der gegenständliche Ausgangspunkt ablesbar bleibt. Urech-Seon wird damit zum ersten und lange einzigen Maler im Kanton Aargau, der sich mit der Abstraktion auseinandersetzt, was ihm Unverständnis und vehemente Kritik der stilistisch konservativen GSMBA-Kollegen einbringt. Der Maler Paul Eichenberger wirft ihm vor, er reite mit seiner künstlerischen Ausdruckweise einen „ort- und rassenfremden Pegasus“ und hänge fremden, neuen Modeerscheinungen nach. Mangels Gleichgesinnten in der regionalen Künstlerschaft orientiert sich Urech-Seon an den Ausstellungen der Avantgarde in Zürich und Basel (1932 Picasso, 1933 Braque, 1938 Le Corbusier) und findet dort die Bestätigung für seinen eigenen künstlerischen Weg. Damit tritt Urech-Seon in die Reihe der Künstler, die im Vorfeld der Landesausstellung 1939 mit ihren Werken stilistisch ausscheren und als „unschweizerisch“ keinen Eingang ins Bildprogramm der Landi finden.

Zu Beginn der 1940er-Jahre setzt er sich im Bann des Kriegsgeschehens mit surrealistischen Bildkompositionen auseinander (Realpolitik, 1941). Kürzelhafte Bildzeichen und amorphe Figuren tauchen in symbolhaftem Braun und Rot auf. Die angedeuteten Bildaussagen werden in klar begrenzten Flächen und sinnbildlichen Farben umgesetzt.

Ab 1945 entstehen Kompositionen mit geometrischen und rund schwingenden Formen in intensiven Farben, ohne dass der Bezug zur Gegenständlichkeit ganz aufgegeben wird. Diese Werke kann er ein Jahr darauf zu seinem 70. Geburtstag in der Galerie „Des Eaux-Vives“ des Zürcher Malers und Galeristen Hansegger zeigen, der vor allem Werke der Zürcher Konkreten und der schweizerischen avantgardistischen Künstlervereinigung Allianz zeigt. Diese Kompositionen bringen Urech-Seon die Anerkennung, die ihm in seinem Heimatkanton stets verwehrt wurde, und führen 1946 zum Beitritt in die Allianz. Der Maler stellt von nun an nur noch im Zusammenhang mit der Allianz aus. Er lebt zurückgezogen und isoliert sich von der GSMBA. Ab 1948 erschafft er ein Alterswerk, welches sich im Rahmen einer repetitiv eingesetzten Formensprache und eines reduzierten Farbenrepertoires bewegt.

 

Chronologische Kurzbiografie

18.Februar 1876
Geburt in Seon, Kanton Aargau.
Lehre als Flachmaler in Bauma, Kanton Zürich.
Wanderburschenzeit.
Reisen in Deutschland und Österreich.

Ab 1890
Erste künstlerische Arbeiten, meist naturalistische Darstellungen. Urech-Seon wird durch die deutschen Impressionisten sowie insbesondere Cuno Amiet und Ferdinand Hodler beeinflusst.

1905
Übernahme eines Malergeschäftes in Seon.

1905
Heirat mit Maria Baumann aus Seon.

1913
Aufgabe des Malergeschäftes, Urech widmet sich ausschliesslich der Kunstmalerei. Maria Urech fertigt Schneiderarbeiten für Frauen und sichert den Lebensunterhalt.

1913–1916
Ausbildung bei Hermann Groeber an der Münchner Kunstakademie. Studium der Werke von Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach und Hans von Marées, Auseinandersetzung mit den deutschen Spätimpressionisten.
Reisen durch Deutschland, Österreich und Italien.
Beschäftigung mit dem Villard’schen Teilungskanon, welcher Einzug in seine Werke findet.

1918
Definitive Rückkehr nach Seon.

1920
Mitglied der GSMBA-Sektion Aargau.
Der Künstler verarbeitet bereits in seinem frühen Werk – und bis ans Lebensende – insbesondere die Landschaft rund um sein Geburtsdorf Seon, Kanton Aargau. Um sich vom gleichnamigen Grafiker Rudolf Urech (1888 – 1951) abzuheben, fügt er seinem Namen den Zusatz «-Seon» hinzu. Die topografischen Eigentümlichkeiten des Seetals, die lokale Pflanzenwelt und die
Industrialisierung bilden Hauptelemente des Werkes und werden von Urech-Seon auch in den folgenden Jahren immer wieder neu interpretiert und abgebildet.

Ab 1931
Künstlerischer Umbruch, Findung und Entwicklung der Abstraktion.
Der Künstler findet mit gedämpften, gebrochenen Farbklängen allmählich zur geometrischen Abstraktion, wobei der gegenständliche Ausgangspunkt ablesbar bleibt. Der Maler Paul Eichenberger – eine damalige Koryphäe der Aargauer Kunstszene – wirft Rudolf Urech-Seon vor, er reite mit seiner künstlerischen Ausdruckweise einen „ort- und rassenfremden Pegasus“ und hänge fremden, neuen Modeerscheinungen nach. Mangels Gleichgesinnten in der regionalen Künstlerschaft orientiert sich Urech-Seon an den Ausstellungen der Avantgarde in Zürich und Basel (1932 Picasso, 1933 Braque, 1938 Le Corbusier) und findet dort die Bestätigung für seinen eigenen künstlerischen Weg. Damit tritt Urech-Seon in die Reihe der Künstler, die im Vorfeld der Landesausstellung 1939 mit ihren Werken stilistisch ausscheren und als „unschweizerisch“ keinen Eingang ins Bildprogramm der Landi finden.

Ab 1939
Zu Beginn der 1940er-Jahre setzt er sich im Bann des Kriegsgeschehens mit surrealistischen Bildkompositionen auseinander. Kürzelhafte Bildzeichen und amorphe Figuren tauchen in symbolhaftem Braun und Rot auf, führende Personen des dritten Reiches sind auf Werken zu erkennen. Die angedeuteten Bildaussagen werden in klar begrenzten Flächen und sinnbildlichen Farben umgesetzt.

Ab 1945
Ab 1945 entstehen Kompositionen mit geometrischen und rund schwingenden Formen in intensiven Farben, ohne dass der Bezug zur Gegenständlichkeit ganz aufgegeben wird.

1947
Mitglied der «Allianz».
Der Maler stellt von nun an nur noch im Zusammenhang mit der Allianz aus. Er lebt zurückgezogen und isoliert sich von der GSMBA. Ab 1948 erschafft er ein Alterswerk, welches sich im Rahmen einer repetitiv eingesetzten Formensprache und eines reduzierten Farbenrepertoires bewegt.

23. Juli 1959
Tod in Seon

Ausstellungen (Auswahl)

2007 «Ein Kunst Haus. Sammeln und Ausstellen im Aargauer Kunsthaus», Aargauer Kunsthaus, Aarau
2006-07 «Kunst grenzenlos», Augustinermuseum, Freiburg im Breisgau
1991 «Rudolf Urech-Seon 1876 - 1959», Aargauer Kunsthaus, Aarau
1981 «Dreissiger Jahre Schweiz. Konstruktive Kunst 1915-1945», Kunstmuseum Winterthur
1948/50 Salons des Réalitées Nouvelles, Paris
1947 «Allianz», Kunsthaus Zürich
1924/28 Kunsthaus Zürich
1919/20 Kunsthalle Basel

Literatur (Auswahl)

  • Rudolf Urech-Seon 1876 - 1959. Tritt in die Neuzeit, hrsg. v. Daniel Gutscher und Christian Herren. Mit Beiträgen von Matthias Dieterle, Philipp Emch, Daniel Gutscher, Christian Herren und Stephan Kunz, Zürich: Scheidegger & Spiess, 2017
  • Rudolf Urech-Seon 1876 - 1959, (Katalog anlässlich der Retrospektive von 1991 im Aargauer Kunsthaus). Aarau: Aargauer Kunsthaus, 1991
Links