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#artworkoftheweek

Giovanni Giacometti - Pizzo Bacone, 1916

  

Giovanni Giacometti »Pizzo Bacone«, 1916, Inv.-Nr.1-2129 (gerahmte Ansicht)

Giovanni Giacometti - Pizzo Bacone, 1916
Öl auf Leinwand
70 x 50 cm

Das Gemälde Pizzo Bacone entstand wohl zu Zeiten von Giovanni Giacomettis (1868-1933) Mobilisierung während dem 1. Weltkrieg. Er war in Maloja, ganz in der Nähe des Gipfels Bacone im Engadin stationiert. Giacomettis Darstellung des Gipfels erscheint dem Betrachter wie ein Porträt, eine Personifizierung des Gesteins und dessen eigenwilligen spitzen Silhouette. Es kommt beinahe wie ein Versuch daher, die Charakterzüge dieses Massivs bildlich zu übersetzen. Sowohl in Komposition, Tiefenwirkung und Duktus scheint er fast keine Unterscheidung zwischen Fels, Schnee, Himmel und Wolken zu machen. Die eigentliche Grösse und Mächtigkeit des Alpenmassivs wird nicht dargestellt, es fehlt an Tiefenwirkung, stattdessen lässt er durch die flächige Darstellung den Gipfel geradezu auf Augenhöhe herabsinken.

Giacomettis Gesamtwerk zeichnet sich auch darin aus, dass er nie versucht hat seine divisionistische, pointilistische oder flächig- dekorative Arbeitsweise einer konsequenten Logik zu unterwerfen. Darin sah er seine künstlerische Freiheit und die Möglichkeit, sich ausserhalb einer modernistischen Stilabfolge verorten zu dürfen. Während seines Aufenthalts im Engandin zur Zeit der Entstehung des Gemäldes, schrieb er nach einem Besuch im Segantini Museum seinem Freund Amiet:

 

Es überfällt mich immer ein merkwürdiges Gefühl vor diesen Bildern [vor Segantinis]. Der erste Eindruck ist nicht gewaltig. Es fehlt darin eigentlich die grosse Linie, die eine einheitliche Komposition zusammenhalten sollte. Es ist etwas – eine panoramische Auffassung. Nach und nach lösen sie aber eine Stimmung und eine poetische Empfindung aus, die doch gefangen nehmen. Man meint den Geruch der Erde zu spüren und die Details sind voll Leben. Man hat den Eindruck, dass dieser Künstler wirklich ganz mit seinen Werken lebte oder viel mehr in seinem Gegenstand verwachsen war. Ist das im Grunde nicht die Haupteigenschaft, welche seinem Kunstwerk das Leben sichert? [...] Ich war immer gegen jede Formel und jeden Zwang, sehe es aber immer mehr ein, dass in der Beschränkung eigentlich die Stärke liegt und auch die Freiheit. Sich einschränken können ist aber nicht jedermanns Sache.

 

Der Pizzo Bacone erscheint sowohl als malerisches, lustvolles, verspieltes Werk, wie auch als Zeugnis einer tiefgehenden künstlerischen Reflexion.

Giovanni Giacometti »Pizzo Bacone«, 1916, Inv.-Nr.1-2129 (gerahmte Ansicht)

Giovanni Giacometti »Pizzo Bacone«, 1916, Inv.-Nr.1-2129