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#artworkoftheweek

Giovanni Giacometti - Narziss, 1920

   

Giovanni Giacometti - Narziss, ca. 1920
Öl auf Leinwand
93.5 x 50 cm
 

Giovanni Giacometti (1868-1933) gehört zusammen mit Cuno Amiet zu den ersten Schweizer Künstlern, die zwischen Postimpressionismus, Symbolismus und Fauvismus die wesentlichen Neuerungen der Moderne aufgenommen und weiterentwickelt haben.

Das Gemälde Narziss zeigt einen nackten jungen Mann, der Flöte spielend auf einem Weg steht. Die Szene wird beleuchtet als ob das Sonnenlicht durch die Baumkronen gefiltert wurde und die Figur mit tanzenden Lichtflecken bespielt wird. Der Junge ist umgeben von Blumen und Sträuchern, die ihn mit schimmernden Grün-, Rosa-, Gelb- und Blautönen umspielen. Es scheint fast, als würden die Farben um die junge Gestalt wie Töne vibrieren. Die Verbindung von bildender Kunst und Musik erinnert hier an das Konzept des Gesamtkunstwerks – die Verknüpfung von verschiedenen Künsten, mit der sich sowohl Romantiker wie auch Symbolisten beschäftigten.

Seine Kerzengerade Haltung, der gesenkte Blick und die überlangen Beine des Mannes verleihen ihm eine mystische Erscheinung, als wäre er aus dieser Naturumgebung, die ihn umgibt, entsprungen. Dies kann auch in den Kontext des einheitlichen Naturverständnisses der Symbolisten gesetzt werden, in welchem Mensch und Natur zu einem werden. Die beinahe schon unproportioniert wirkenden Beine sind dabei stark stilisiert und manieristisch angehaucht, was die Bedeutung des Mythos und des Symbolischen unterstreicht.

Die Geschichte von Narziss als Figur der griechischen Mythologie handelt von einem jungen Schönling, Sohn eines Flussgottes und einer Wassernymphe, der sich in sein Spiegelbild verliebt, ohne zu erkennen, dass es sich dabei um sein eigenes handelt. Schlussendlich geht er an seiner Selbstliebe zu Grunde. Der Begriff «Narzissmus» entwickelte sich im 19. Jahrhundert und bedeutet so viel wie Selbstverliebtheit oder Selbstbewunderung. Wenn der Mythos nun mit der Botschaft des einheitlichen Naturverständnisses der Symbolisten in Verbindung gebracht wird, kann dies eine Anspielung auf die vollkommene Schönheit von Mensch und Natur, die sich im Einklang miteinander befinden, sein.

Giovanni Giacometti »Narziss«, ca. 1920, Inv.-Nr.1-2790