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#artworkoftheweek

Ernst Ludwig Kirchner - Katzenmutter und Junges / Fauchende Katze / Katze am Ofen, ca. 1930

  

Ernst Ludwig Kirchner Katzenmutter und Junges / Fauchende Katze / Katze am Ofen,  ca. 1930
Kohle auf Papier / Kohle auf Papier / Kohle auf Papier
38.5 x 48.9 cm / 37.8 x 49.3 / 20.8 x 28.6 cm

Eine Unterscheidung zwischen Skizze, selbstständiger und illustrierender Zeichnung, traf der Künstler nicht. Signiert wurden die Blätter meist erst dann, wenn sie für eine Ausstellung, Publikation oder den Verkauf in Betracht gezogen wurden. Auch wenn zahlreiche Arbeiten der Motivfindung für die Umsetzung in ein Gemälde galten, so liegt die Bedeutung der Zeichnung nicht in ihrer Funktion als Vorzeichnung. Es gab wohl kaum einen Tag, an dem Kirchner nicht gezeichnet, nicht skizziert hätte. Es ist die ständige Auseinandersetzung mit der ihn umgebenden Welt, die den intensiv künstlerischen Ausdruck in ihm hervorgebracht hat. Nicht nur die grossen Entwürfe, sondern auch die kleinen, persönlichen Dingen stellten eine Inspirationsquelle für den Künstler dar.
Als Kirchner sich 1918 entschloss in Davos ein Haus zu beziehen, kam der schwarze Kater Boby im Juli/August 1919 als Mitbewohner hinzu. Auf zahlreichen Zeichnungen, Radierungen etc. bildet ihn Kirchner vor allem als jungen, verspielten Kater ab: er blieb bis zu einem Tod im Oktober 1930 das bevorzugte „Katzen-Modell“. Bald danach kam Schäky in das Haus und auch ihm galt Kirchners gestalterisches Interesse.
Die Katzen werden von Kirchner nicht in besonders inszenierten Situationen dargestellt, sondern im häuslichen Zusammenhang. Es sind die vertrauten, alltäglichen Momente, die jeder Katzenfreund kennt und schätzt. Mit nur wenigen Linien schafft es der Künstler, den Eindruck einer häuslichen, harmonischen Atmosphäre hervorzurufen.
Kirchner betrachtet Katzen nicht als Ornament oder Dekoration, sondern als Teil seines Lebens; als Lebewesen, deren Verhalten und Schönheit ihn immer wieder zu künstlerischen Auseinandersetzungen anregen. Ihr Fell, ihre Mimik, ihr „So-Sein“ und vor allem ihre Bewegungen sind es, die er beobachtet und er in seinen Zeichnungen zur künstlerischen Aussage verdichtet.
„Meine Malerei ist eine Malerei der Bewegung“ sagte Kirchner von seiner Arbeit. Und seine Studien von Katzen sind davon nicht ausgenommen, Spannung und Entspannung, Bewegung und Herausforderung für ein spontanes und doch sicheres Erfassen von Körper, dies motivierte Kirchner sicher zu seinen Katzenbildern.
(Vgl. Gabriele Lohberg, 1997)