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#artworkoftheweek

Elisabeth Iwanowna Epstein - Malerin und Vermittlerin

Das Werk der Künstlerin Elisabeth Iwanowna Epstein wurde bisher meist über ihre Kontakte zur Münchner Kunstszene um Marianne Wefekin, ihre Affiliation zum Blauen Reiter oder über ihre Freundschaft zu Wassily Kandinsky verhandelt. Sie ist jedoch weit mehr als eine Peripheriefigur, was auch ihr Werk reflektiert. Nach mehreren Jahren als Kunstschaffende in Moskau, München und Paris, trieb sie der Ausbruch des ersten Weltkrieges nach Genf wo sie bis zu Ihrem Tod 1956 lebte. Beeinflusst und in ständigem Dialog mit französischem Impressionismus, Vertretern des Kubismus sowie dem deutschen Expressionismus wiederspiegelt ihr Werk eine Palette von künstlerischen Auseinandersetzungen mit einer dennoch ganz eigenen Signatur.

Elisabeth Iwanowna Epstein - Stilleben mit mit Pflanze 1946
Öl auf Leinwand
61 x 50 cm
 

Elisabeth Iwanowna Epstein - Nature Morte 1946
Öl auf Leinwand
55 x 46 cm
 

Elisabeth Iwanowna Epstein - Stilleben mit Zimmerpflanze und Zitrone 1946
Öl auf Leinwand
73 x 60 cm

Elisabeth Iwanowna Epstein - Stilleben mit Zimmerpflanze und Zitrone 1946
Öl auf Leinwand
73 x 60 cm

Die am 27. Februar 1897 in Russland geborene Künstlerin war wie viele ihrer weiblichen Zeitgenossen angezogen vom französischen Impressionismus und dessen Zentrum Paris. In Moskau studierte sie zuerst unter Leonid Pasternak, einem in seiner Zeit sehr bekannten russischen impressionistischen Maler bevor sie 1898 für zehn Jahre nach München ging um dort ihr Kunststudium fortzusetzen. In der Zeichen- und Malschule Schwabingen studierte sie zusammen mit Marianne von Werefkin sowie Wassily Kandinsky, dessen Phalanx Malschule sie anschliessend besuchte. In München verkehrte sie im Mittelpunkt der deutsch-russischen Avant-Garde. 1908 zog es sie jedoch endgültig nach Frankreich und sie siedelte nach Montparnasse um. Mit ihren Figurenbildern war Epstein 1906 und 1907 am Salon d'automne beteiligt und ihre Werke wurden in der Kunstzeitschrift Les Tendances Nouvelles veröffentlicht.

Wie viele ihrer Weiblichen Zeitgenossinnen erhielt Ihr Werk doch lange nicht die verdiente Aufmerksamkeit, die Ihren männlichen Zeitgenossen zu Gute kam. Mit Ihrem Text "Einige Gedanken über Bildentstehung" der 1913 in der Kunstzeitschrift 'Der Sturm, Wochenschrift für Kultur und die Künste' erschien, vergleicht Sie die Entstehung eines Bildes mit einer Schwangerschaft und einer Geburt. Der Vergleich des künstlerischen Schaffens mit diesem, an Weiblichkeit gebundenen Aktes ist eine bestechende und subtile Kritik. Mit einer präzisen ironie weist sie hier auf die Chancenungleichheit, hin denen Künstlerinnen ausgesetzt waren, in dem Sie einerseits die Künstlerrolle mit der klar weiblich konnotierten Mutterrolle gleichsetzt aber auch die Idee der Kreativität weiblich konnotiert, dies in einer Zeit in der künstlerisches Schaffen eine Eigenschaft war die nur Männern zugewiesen wurde.

Elisabeth Iwanowna Epstein - Nature Morte 1946
Öl auf Leinwand
55 x 46 cm
 


Die Freundschaft zu Wassily Kandinsky aber auch Gabriele Müntner begleitete sie und bildete ein wichtiges Bindeglied zur Münchner Kunstszene, die sie auch in diesen Jahren in der Schweiz beeinflusste. Abstraktion als Ziel der Kunst war eine Auseinandersetzung die sie mehrfach in Briefen mit Kandinsky verhandelte. Epstein war es auch die Robert Delauney mit dem Blauen Reiter zusammenbrachte, nachdem sie Kandinsky und Franz Marc Werkphotographien des Künstlers zusendete. Delauney und Epstein waren beide in der Ersten Ausstellung der Redaktion 'der Blaue Reiter' vertreten. 

Elisabeth Iwanowna Epstein - Stilleben mit Blumen 1946
Öl auf Leinwand
73 x 60 cm

Zahlreiche Arbeiten von Elisabeth Epstein gelten als verschollen oder fielen den Kriegszerstörungen zum Opfer, weshalb nur vereinzelte Werke aus ihrem Frühwerk bekannt sind. Der erhaltene Bestand dieser frühen Jahre besteht fast ausschliesslich aus Figurendarstellungen sowie einigen Stillleben, wie "Stillleben mit Orangen" (1906). Ein Motiv das sie auch in späteren Schaffensphasen immer wieder aufnahm ("Stillleben mit Zimmerpflanze und Zitrone" (1946)).
Der in der Schweiz entstandene Werkkörper setzt sich vor allem aus Interieurs, Stillleben und Landschaftsmalereien zusammen. Es lässt sich ein zunehmendes kubistisches Vokabular in ihren Werken erkennen, sowohl in Farbe wie auch Form. Die Auflösung des Gegenständlichen wird in ihren noch späteren Werken bis 1952 verstärkt zu einer Auflösung der Konturlinien. Während das 1929 entstandene Werk "Nature Morte" stark in der Formensprache des Kubismus formuliert ist,  lösen sich die Grenzen und Kontraste in späteren Werken immer mehr auf, enorm gut zu erkennen im "Stillleben mit Blumen“ 1946. Die Diffusen Blätter des Strausses sind sowohl geprägt von kubistische Formensprache, lösen sich jedoch zunehmend flächig auf und verschmelzen mit der dahinter liegenden Wand.