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Intro
Cuno Amiet

Die Landschaft

Amiet verbrachte einen Grossteil seines Lebens umgeben von Natur in der Hügellandschaft um den Weiler Oschwand, wo er auch sein Atelier hatte. Die ländliche Abgeschiedenheit und die naturbelassenen Landstriche stellten eine wichtige Inspirationsquelle für den Künstler dar, der der Landschaftsmalerei in seinem Gesamtwerk einen zentralen Platz einräumte. Neben detaillierten Naturdarstellungen, in denen er Gartenpartien mit Figuren oder einzelne Bäume und blühende Blumen einfasst, lässt Amiet seinen Künstlerblick auch in die Weite auf ganze Landschaftsstriche schweifen.

Cuno Amiet »Herbst auf der Oschwand«, 1922, Inv.-Nr.1-1978, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet «Bäume in der Wintersonne», 1910, WVZ-Nr.: 1910.41, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet «Sonnenuntergang», um 1950, WVZ-Nr.: 1950.13, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

 

Cuno Amiet «Winterlandschaft (rot)», 1928, WVZ-Nr. 1928.07, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

In den Landschaften hält Amiet Ausschnitte seines Blickfeldes, die er mit eigener künstlerischer Handschrift interpretiert, malerisch für die Nachwelt fest. Mit Wäldern, Wiesen, Äckern und Gewässern bildet der Künstler die Physiognomie der ihm zumeist gut bekannten Naturlandschaften ab. Doch finden sich ebenso urbane Landschaften und Stadtveduten in seinen Werken wieder. Für den Künstler symbolisiert die Landschaft keinen zweitrangingen Hintergrund, vor dem sich eine Szene abspielt, sondern sie selbst bildet den Gegenstand seiner Malerei. Dabei betrachtet Amiet die Natur oftmals als Projektionsraum, in dem er keine wahrheitsgetreue Wiedergabe anstrebt, sondern sie vielmehr in seine persönliche Farbempfindung übersetzt und eine Ästhetik von intensiver farblicher Leuchtkraft erschafft. Vermehrt fängt Amiet atmosphärische Erscheinungen des Himmels, wie Sonnenuntergänge und Abenddämmerungen ein und entführt den Betrachter in mystische Licht- und Farbstimmungen.

Cuno Amiet «Landschaft mit rosa Wolke», um 1896, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Amiet variiert in seinen Landschaftsmalereien unterschiedliche Darstellungsweisen und Abstraktionsgrade. Dabei konstruiert er Szenerien aus verdichteten Farbfeldern und von Pinselhieben aufgewühlten Malflächen. Einige Werke, darunter die Landschaft mit rosa Wolke, begreifen den abgebildeten Landschafstauschnitt als horizontale Gliederung der Malfläche in Farbfelder. Das 1904 entstandene Werk Schneeschmelze veranschaulicht, wie bewusst Amiet den Prozess der Abstraktion vorantreibt, dem Sujet jedoch gleichwohl verpflichtet bleibt. Wiederum in anderen Gemälden bildet das Geäst von Bäumen schwungvolle Linien aus, die den Bildraum dynamisch gliedern. Im Ganzen zeigt auch die Bildgattung der Landschaftsmalerei die essentielle Funktion der Komposition von Linie, Fläche und Farbverteilung in Amiets Oeuvre auf.

Cuno Amiet «Schneeschmelze», 1904, WVZ-Nr.: 1904.22, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau