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Intro
Cuno Amiet

Die Farbe Gelb

Die Farbe Gelb wird neben negativen Assoziationen wie Neid, Eifersucht und Geiz überwiegend mit positiven Attributen belegt. Es ist die Farbe der Sonne und der Wärme. In ihrer Funktion als Ersatzfarbe für Gold kann sie als wertvoll betrachtet werden. Sie steht für Helligkeit, Heiterkeit und Leuchtkraft. In jedem Fall ist Gelb stets auffällig und hinterlässt Eindruck.

 

Cuno Amiet «Gelbe Wiese mit Baum», 1898.11, WVZ-Nr.: 1898.11, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet «Halbakt von vorn (Frau Grütter)», 1907, WVZ-Nr.: 1907.24, Privatsammlung, Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Für Vincent van Gogh, den Amiet seit seiner Zeit in Pont-Aven verehrte, war Gelb eine zentrale Farbe – ist es doch die Farbe von Sonnenblumen, Getreidefeldern, der Sonne und auch des Mondes. Franz Marc schrieb einst in einem Brief an August Macke: «Gelb das weibliche Prinzip, sanft, heiter und sinnlich.»Der in diesem Raum gezeigte Halbakt von vorn (Frau Grütter) aus dem Jahr 1907 stellt den Inbegriff von Weiblichkeit dar. Die grossen Brüste und weiblichen Rundungen repräsentieren Fruchtbarkeit. Im cloisonistischen Stil Paul Gauguins gehalten ist die Figur flächig ausgemalt und mit schwarzen Rändern umrissen.

Ebenso weiblich und fruchtbar gestaltete er die schwangere Frau unterm Apfelbaum von 1901. Durch das gelbe Kleid leuchtet die Figur und hebt sich deutlich vom umgebenden Hintergrund ab. Der üppig tragende Apfelbaum und die reifen Früchte in ihren Händen repräsentieren Fruchtbarkeit und Weisheit.

Cuno Amiet «Frau unter Apfelbaum», 1901, WVZ-Nr.: 1901.14, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Die gelben Mädchen – zwei Vorstudien aus dem Jahr 1905 – beeindruckten die Künstler der Brücke, die 1905 durch eine Ausstellung im Kunstsalon Emil Richter in Dresden auf das Werk aufmerksam wurden und Amiet in Reaktion darauf 1906 in ihre Künstlergruppe einluden. Das Werk, das als Reaktion auf Ferdinand Hodlers erste Version des Gemäldes Der Frühling (1900/01) zu verstehen ist, ist wiederum Inspirationsquelle für Hodlers dritte Version Frühling III (1907-1910), in welcher die Figuren, wie bei den gelben Mädchen, in einem Meer aus gelben Löwenzahnblüten sitzen. 

Cuno Amiet, Studie zu «Die gelben Mädchen», 1905, WVZ-Nr.:1905.09, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet, Studie zu «gelben Mädchen», 1905, WVZ-Nr.:1905.07, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet «Löwenzahnwiese», um 1905, WVZ-Nr.:1905.10, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Ferdinand Hodler «Frühling III», 1907-1910, Öl auf Leinwand, Bild: commons.wikimedia.org

Die Löwenzahnwiese entstand ebenfalls 1905 und ist im Kontext der gelben Mädchen als eine Studie zur Ausführung des Bildhintergrundes zu sehen. Auch hier symbolisieren die leuchtend gelben Löwenzahnblüten das zyklisch aufblühende Leben.