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Intro
Cuno Amiet

Der Garten

Saftiges Grün, leuchtendes Rot sowie strahlendes Gelb ziehen den Betrachter in ihren Bann und lassen ihn in Amiets paradiesisch wirkende Gartenszenen eintauchen. Die üppig gestaltete Natur, fruchtbar und voller Leben, ist Ausdruck für Amiets Lebensfreude und Lebensdrang. In voller Blüte steht die Flora – reich an Gaben. Nur selten lassen seine Naturdarstellungen Melancholie oder Traurigkeit durchscheinen.

Cuno Amiet «Japanerin im Garten, (Dance d'été)», 1933, (Detail) Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Die Variationsbreite seiner Malstile tritt in Amiets Gartenpartien und Landschaften sehr deutlich zu Tage. Impressionistisch flirrende Farbtupfen und Pinselstriche im pastosen Farbauftrag stehen schwarz umfassten Blüten und Blättern gegenüber, deren Komposition und Umsetzung an den Fauvismus des Henri Matisse erinnern.

Cuno Amiet «Bauerngarten», 1908, Öl auf Lw., (Detail) Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Die beinahe überbordende und dominante Pflanzenwelt des im Jahr 1908 entstandenen Gemäldes Bauerngarten ist im Stile des Divisionismus mit langen, pastos aufgetragenen Pinselhieben ausgeführt. Dicht an dicht gesetzt, bilden die Pinselstriche erkennbare Sträucher, Blumen, Zäune und die im Vordergrund gebückt stehende Figur. Diese Formen entbehren jedoch jeglicher Details und scheinen sich im Bildgefüge aufzulösen – zugunsten des grossen Ganzen. Das hauptsächlich in Grüntönen gehaltene Werk lebt durch die Dynamik der Pinselführung. Verläuft diese im Bauerngarten noch geordneter, scheint der Duktus im acht Jahre später, 1916, entstandenen Gemälde Blühender Obstgarten freier und lockerer. Die hier verwendeten Komplementärkontraste, rot und grün sowie blau und orange, erzeugen einen intensiv flimmernden Eindruck.

Cuno Amiet «Blühender Obstgarten», 1916, Öl auf Lw., (Detail) Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Ein Farbenmeer bietet in gleichem Masse der Blumengarten aus dem Jahr 1928. Steht es dem Blühenden Obstgarten in der Farbpracht in nichts nach, so ist es detaillierter in der Ausführung des Dargestellten. Blüten und Blätter sind deutlicher von der Umgebung abgegrenzt. Ebenso bilden die parallel gesetzten Blumenbeete eine kompositorische Ordnung, die Ruhe in das Bildgeschehen bringen.

Cuno Amiet «Blumengarten», 1928, WVZ-Nr.: 1928.12, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Sind Figuren in den Landschaften und Gärten dargestellt, so sind diese meist weiblich. Amiet bettet sie in den leuchtenden Farbreigen ein, sodass sie Teil des Ganzen werden. Unabhängig des Malstils – die wiedergegebene Natur in Amiets Gartenszenerien wirkt immer mächtig, beeindruckend und voller Faszination.