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Cuno Amiet und seine Schülerin Britta Gelpke

Gemeinsam mit einer Akquisition von vier Amiet Bildern gelang die Geschichte einer jungen Malschülerin Amiets in unsere Galerie, die Lebensgeschichte der Künstlerin Britta Gelpke. Sie ist nicht nur in Zwei der Vier Werke Gegenstand und der Darstellung sondern ihre Geschichte ist mit diesen vier Werken untrennbar verbunden. So soll hier nicht nur die vier Werke Amiets, sondern auch die Geschichte der Künstlerin Britta Gelpke aufgeschlüsselt, erzählt und dokumentiert werden.

Fotographie Britta Gelpke bei Cuno Amiet

" 1948  Ein halbes Jahr in der Oschwand"
Fotos von Britta Gelpke
links: Britta Gelpke und Leni Stähli
rechts: Cuno Amiet

Britta Gelpke war nicht die einzige Schülerin die Amiet über die Jahre hinweg unterrichtete. Sein Wohnort Oschand wurde zwischen 1902 bis 1948 zu einem Pilgerort für Künstler und solchen die es werden wollten, sie alle lernten bei Amiet und malten und studierten die Landschaft um Oschwand. Amiet malte oft Porträts, so auch von seinen Schülern und Besuchern im zu Hause in Oschwand. Sein Werk enthält eine Art visuelles Gästebuch all dieser Menschen, Freunde und Bekannten, dass nun auch als historisches Zeugnis dieses Ortes gilt.


Zu seinen bekanntesten Schülern gehören Ernst Morgenthaler, Karl Ballmer , Bruno Hesse und Lovis Corinth. Auch Winston Churchill holte sich wiederholt Rat bei Amiet, obwohl dieser ihn nie porträtieren konnte. Den Einfluss den Amiet auf diese Künstler ausübte, ist unverkennbar in ihren Werken zu erkennen. Landschaften mit satten Gelb und Orangene Farbflächen die im starken Kontrast zu den tiefen blau und lila tönen zu leuchten beginnen. Die Landschaft um Oschwand war bei vielen der Schüler grosses Thema und wiederkehrendes Sujet, genau wie beim Künstlervater Amiet.

Cuno Amiet »Bildnis Emilie Amiet-Baer«, 1894, Inv.-Nr.1-2072

Cuno Amiet »Frau Sautter«, 1922, Inv.-Nr.1-2074, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet «Frau mit rotem Hut (Emmy)», 1893, WVZ-Nr.: 1893.02, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet «Bildnis Juliette Trüssel», 1921, WVZ-Nr.: 1921.19, Privatsammlung Schweiz, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet »Porträt von Kläri Ballmoos«, 1933, Inv.-Nr.1-2892, © D. Thalmann, Aarau

Cuno Amiet - Bildnis Britta Gelpke, 1948
Öl auf auf Pavatex
45 x 37 cm

Amiet setzte sich immer wieder intensiv mit dem Porträt auseinander, er experimentierte mit Gestaltungsprinzipien, Malstilen und Komposition. Auch das Porträt, dass er 1948 von Britta Gelpke anfertigte, trägt sowohl unverkennbar seine künstlerische Unterschrift wie auch ein spielerisches Gespür für Innovation. Amiet kannte meist sein zu porträtierendes Gegenüber, so auch Britta die zu diesem Zeitpunkt als seine Malschülerin intensiven Kontakt zu ihm pflegte. Es ist ein neues Gesicht, dass man dem visuellen Gästebuch in Amiets Oeuvre hinzufügen kann. Ihre stark personalisierten Gesichtszüge lassen keinen Zweifel, dass es sich um Britta Gelpke handelt. Für den Hintergrund wählte Amiet die Farbe Gelb, die in seinem Werk eine zentrale Bedeutung darstellte. Franz Marc schrieb einmal in einem Brief an August Macke: „Gelb das weibliche Prinzip, sanft, heiter und sinnlich.“. Ein Zitat, dass sich sehr passend auf dieses Porträt anwenden lässt.


Im selben Jahr ist ein Aquarell auf Papier entstanden, dass die Schülerin an der Staffelei im Garten zeigt. Auch der üppige, paradiesische und fruchtbare Garten stellt ein wichtiges Motiv in Amiets Oeuvre dar, er ist immer wieder Ausdruck für Amiets Lebensfreude und Lebensdrang. Eine Quelle der Kreativität und Gegenstand des künstlerischen Ausdrucks. Ein Interesse, dass er scheinbar seiner Schülerin weitergab durch die gemeinsamen Studien draussen.

Cuno Amiet - Malschülerin im Garten, 1948
Aquarell auf Papier
36 x 27 cm

Detailansicht
Cuno Amiet - Bildnis Britta Gelpke, 1948
Öl auf Pavatex
45 x 37 cm

Cuno Amiet - Blumengarten, 1948
Aquarell auf Papier
37 x 26 cm

Cuno Amiet - Bäumchen im Garten, 1928
Tusche und Aquarell auf Papier
28 x 23,5 cm
 

Amiets Lust für die Farbenpracht und Üppigkeit von Gärten kommt in einer weiteren Papierarbeit zum Ausdruck, die Amiet Britta Gelpke hinterliess. Eine Reihe von Blumentöpfen sind in der Komposition erkennbar, die sich durch stark reduzierte und abstrahierte Formen auszeichnet. Amiet schien hier, wie in vielen seiner späteren Werke – besonders in seinen Stillleben erkennbar – einen Schwerpunkt auf Farbkontraste, nicht auf Perspektive zu legen. Die daraus entstandene, beinahe abstrakte Komposition der Blumen und Sträucher besticht nicht durch Extravaganz sondern zeigt wunderbar, dass sich Amiet für die schlichte Schönheit der Natur begeistern konnte.


Mit der Aquarell und Tusche Arbeit „Bäumchen im Garten“ gelang eine etwa zwanzig Jahre jüngere Arbeit Amiets in den Besitz von Frau Gelpke. Mit feinen Tusche Strichen und Schraffuren die in schnellem Tempo auf das Papier gebracht wurden. Das blasse Blau und Rot mit dem er die Zeichnung kolorierte, erscheinen mehr wie eine Idee. Wie in vielen Zeichnungen von Amiet, diente ihm dieses Medium nicht nur zum Studium der Natur, auch zur Verarbeitung von Eindrücken, Einflüssen und zum Experimentieren von Malstilen. Mit dem Grundsatz „Zeichne, zeichne, Zeichne!“ instruierte er zahlreiche seiner Malschüler, womöglich auch seine Schülerin Britta Gelpke.

Britta Gelpke (25. Januar 1927 – 28. Juli 2019) wuchs nach einem Umzug aus dem Walliser Saas im Zürcher unterland auf. Durch Ihren Vater Ludwig Gelpke der neben seinem Tagesberuf als Arzt die Malerei verfolgte, setzte sie sich schon früh ihr Berufsziel fest, Malerin zu werden. Um ein finanzielles Standbein zu haben und um die Bitte der Eltern zu erfüllen, absolvierte sie eine Lehre als Rahmenmacherin und Vergolderin bevor sie sich Anfangs zwanzig vollkommen der Malerei zu widmen begann. 1948 begann sie, wohl durch die Kontakte des Vaters, einen halbjährigen Aufenthalt in Oschwand als Schülerin von Cuno Amiet. Die beiden standen noch viele Jahre in Kontakt, so schickte ihr Amiet auch Postkarten und bedankte sich für Rahmen die Britta hin und wieder für ihn angefertigte.

Sie arbeitete und lebte vor allem in Basel wo sie einige Ausstellungen hatte und einige Bilder verkaufen konnte, jedoch reichten die Einkünfte nicht um allein von der Malerei zu Leben, weshalb sie ihre Arbeit als Rahmenmacherin und Vergolderin weiterhin ausführte. Ihre Zeiten bei Amiet scheinen sie sehr geprägt zu haben, rückblickend schreibt Britta zu ihrer Malerei: „Ich liebe die einfachen Farben Grün, Blau, Lila, Rot, Gelb. Und ich versuche mit einfachem Farbklang eine ganze Landschaft, eine Figur, eine Stimmung herzustellen...“ Eine künstlerische Position die sie mit Amiet teilte.

Mit Arthur Bolliger lernte sie 1962 ihren zukünftigen Ehemann kennen mit dem Sie eine Familie gründete, wobei Sie weiterhin die Malerei verfolgte. In den 1980er Jahren gibt sie die Malerei doch erschöpft auf. Der erträumte Erfolg und die Anerkennung für ihr künstlerisches Schaffen bleiben ihr Zeit ihres Lebens verwehrt. Ein Jahr nach ihrem Tod im August 2018 wird hier Britta Gelpke doch ein Plattform gegeben um ihr Lebenswerk, ihre Malerei und ihre Beziehung zu Cuno Amiet zu würdigen.