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#artworkoftheweek

Cuno Amiet - Frau in Umhang, 1907

   

Cuno Amiet - Frau in Umhang, 1907
Tusche auf Papier
19 x 13 cm

Cuno Amiet (1868-1961) malt bereits mit 15 Jahren das erste Selbstbildnis. 1884 lernt er durch seinen Vater den Maler Frank Buchser kennen, bei dem er die folgenden zwei Jahre unterrichtet wird. Im Herbst 1886 geht Amiet nach München und studiert dort an der Akademie der Bildenden Künste. 1887 begegnet er Giovanni Giacometti, der ein lebenslanger Freund für ihn wird. Im folgenden Jahr reisen sie zusammen nach Paris und Amiet beginnt ein Studium an der Académie Julian. Ab 1892 ist Amiet jedoch zunehmend unzufrieden mit dem Akademieunterricht und geht nach Pont-Aven, wo er Gauguin und van Gogh entdeckt und die Grundlagen für seinen Kolorismus legt.
1894 kann er in der Kunsthalle Basel ausstellen, doch stösst seine Verwendung reiner Farben bei der Kunstkritik vorwiegend auf Ablehnung. 1898 erhält er den Auftrag, ein Porträt Ferdinand Hodlers anzufertigen, wodurch ein intensiver Kontakt zu dem Künstler entsteht und Amiet sich mit dem Jugendstil auseinandersetzt.
1905 erhält Amiet eine Ausstellung in der Galerie Richter in Dresden, wodurch die Brücke Künstler auf ihn aufmerksam werden. 1906 wird Amiet von Erich Heckel zur Mitgliedschaft eingeladen und bereits im selben Jahr beteiligte er sich an der ersten Brücke-Ausstellung in Dresden.
1914 erhält Amiet eine Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich mit 124 Werken. 1919 wurde ihm der Ehrendoktor der Universität Bern verliehen. Heute gilt Cuno Amiet als einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Malerei in der Schweiz.

In der Tuschezeichnung Frau in Umhang konstruiert der Künstler die Figur mit dünnen, kontrollierten Strichen. Unter den Tuschespuren können feine Bleistiftlinien beobachtet werden, die dem Künstler als Unterzeichnung dienten. Dieser Einblick in den Schaffensprozess lässt darauf schliessen, dass in dieser Tuschearbeit nicht eine Studie zu sehen ist, sondern eine autonome Zeichnung, die als eigenständiges Kunstwerk zu betrachten ist. Darauf weist auch die mit Bleistift beigefügte Notiz hin, wonach die Arbeit ein Weihnachtsgeschenk für Freunde war: „Unseren lieben Freunden Weihnacht 1943“. Weiter kann aus der Inschrift abgeleitet werden, dass das Blatt erst 36 Jahre nach der Entstehung verschenkt wurde.
Im Zentrum der Arbeit steht der üppige Faltenwurf des Umhanges, der die Frau vollkommen einhüllt. Nur Gesicht, Hände und Füsse werden von dem Stoff nicht verborgen. Mit in verschiedenen Richtungen verlaufenden Schraffuren deutet Amiet ein plastisches Aufbäumen und Vertiefen des Gewandes an. Durch die Haltung der Figur, die sich verbeugt und den rechten Arm vom Körper wegstreckt, entsteht eine Bewegung im Bild, die den Faltenwurf zusätzlich betont. Besonders auffällig ist, dass der ausgestreckte Arm über den linken Bildrand hinausragt, weshalb die Umrisslinien der Hand abgebrochen wurden. Somit wird durch die Öffnung des Körpers ein Ausbrechen aus dem Format bewirkt.