Direkt zum Inhalt
|
Intro

Künstlerinnen in der Bromer Art Collection

Im zeitgenössischen Kunstbetrieb bilden Künstlerinnen nicht länger eine Ausnahme - im Gegenteil; sie sind ein unentbehrlicher Teil davon. Noch um 1900 war eine Künstlerexistenz als weiblicher Lebensentwurf nur unter beschwerlichen Bedingungen realisierbar.

Stéphanie Caroline Jeanne Guerzoni, «Allegorische Szene mit zwei weiblichen Figuren», 1923

Zugangsmöglichkeiten zu einer künstlerischen Ausbildung blieben den Frauen weitgehend verwehrt. Bis in das 19. Jahrhundert konnte eine künstlerische Berufsausbildung für Frauen in Europa nur in einem kirchlichen, höfischen oder zünftischen Kontext – etwa eines Klosters, in Adelskreisen oder der väterlichen Werkstatt – durchlaufen werden. Künstlerisch tätige Frauen waren seit jeher im Bereich des Kunstgewerbes vertreten, doch erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts etablierten sich neue gesellschaftliche Wertesysteme, die es auch Frauen erlaubten, an Kunstakademien zugelassen zu werden.

Diese heute beinahe als selbstverständlich geltende Errungenschaft wollen wir mit diesem Beitrag würdigen und gewähren einen Einblick in das Werk einer Künstlerin, welches sich ganz im Sinne der sommerlichen Jahreszeit präsentiert.

Die leuchtend blaue „Allegorische Szene mit zwei weiblichen Figuren“ wurde 1923 von der 1887 in Wien geborenen Künstlerin Stéphanie Caroline Jeanne Guerzoni gemalt. 
Die Malerin siedelte in die Schweiz über und war von 1915 bis 1918 Schülerin von Ferdinand Hodler. Der Einfluss des grossen Meisters zeigt sich im symbolistischen Stil, den Guerzoni in den 1920er Jahren adaptiert. Vielen Werken des Symbolismus entsprechend, entnimmt die Künstlerin den Bildinhalt ihres 1923 fertiggestellten Gemäldes einem Motiv der antiken Mythologie. In der „Allegorische(n) Szene mit zwei weiblichen Figuren“ malt sie zwei Wassernymphen - weibliche Gottheiten, welche als Personifikationen von Naturkräften in der griechischen Mythologie in Form von lieblichen Mädchengestalten dargestellt werden. Guerzoni malt zwei Nymphen, die gedankenverloren auf einer Sandbank von Türkisfarbenem Wasser umgeben sitzen. Im Bildvordergrund am Gewand der linken Nymphe und im Hintergrund am Himmel wiederholt sich die intensive Farbgebung. Dadurch unterstreicht Guerzoni einerseits die allegorische Darstellung der Nymphen als Wassergottheiten und gleichzeitig fesselt sie damit den Blick des Betrachters.

Neben Guerzonis Gemälde zählen zahlreiche andere Werke von Künstlerinnen zur Bromer Art Collection. In Zukunft werden wir weitere Werke von unterschiedlichen weiblichen Kunstschaffenden, die in unserer Sammlung vertreten sind, vorstellen.