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Intro

«EXPEDITIONEN INS LANDESINNERE» mit Valentin Roschacher

bromer kunst war diese Jahr an der Kunst Zürich 17 vertreten und zeigte unter anderem Werke des Schweizer Künstlers Valentin Roschacher. Kein anderer Künstler schien besser in den Sektor «Statement Schweizer Kunst» zu passen: Der ehemalige Schweizer Bundesanwalt Valentin Roschacher (*23.3.1960 Zürich) gewann in den vergangenen Jahren als Maler von Alpenlandschaften internationale Beachtung und Anerkennung. 

Nach der erfolgreichen Lancierung 2016 wurde der Sektor «Statement Schweizer Kunst» dieses Jahr von Peter Fischer, freier Kurator und ehem. Direktor des Kunstmuseums Luzern und des Zentrum Paul Klee, kuratiert.

Die Präsentation gab einen spannenden Einblick in das reiche künstlerische Schaffen der Schweiz. Zugleich befragt sie das Etikett «Schweizer Kunst»: Zeigt sich das «Schweizerische» in der Kunst gegebenenfalls in einer spezifischen Ikonografie? In Referenzen zu einer kulturellen Tradition des Landes? Im Ausdruck einer wie auch immer gearteten nationalen Identität?

Valentin Roschachers 181 cm breite und 450 cm hohe Gemälde «Grosses Alpenpanorama mit Eiger, Mönch und Jungfrau» (2010-2012) befindet sich in bromer kunst als Dauerexponat im «Roschacher-Saal» ausgestellt.

Der Titel der Schau – «EXPEDITIONEN INS LANDESINNERE» – spricht davon, dass viele Künstlerinnen und Künstler von einer spezifisch schweizerischen Umgebung inspiriert werden sowie von einer durch diese wie auch durch die Geschichte geprägten Kultur. Neben dem Interesse an der erhabenen Landschaft manifestiert sich immer wieder die Faszination für das Beiläufige, für das Unspektakuläre. Allerdings bleibt es selten beim Oberflächlichen. In ihren «Expeditionen ins Landesinnere» decken die Künstlerinnen und Künstler auch Widersprüchlichkeiten auf. Sie regen – manchmal subtil, manchmal unübersehbar – zum Nachdenken über unsere vermeintlich heile Welt an und bringen diese mit den allgegenwärtigen, beunruhigenden globalen Herausforderungen in Verbindung.

Roschachers Interesse liegt weniger im Unspektakulären als in den erhabenen Landschaften der Schweizer Alpenwelt. Dabei stellt er die Bergwelt der Schweizer Alpen als hyperrealistische Szenerien dar; um dabei eine hohe Präzision zu erlangen, malt er seine Gemälde anhand eines feinen Einhaarpinsels, seine Werke zeichnen sich demnach durch einen akribischen Malstil aus.

«Warum ich unsere Berge male? – In der erhabenen Bescheidenheit, in der kantigen, ruhigen Mächtigkeit und Pracht der Alpen nehme ich die Werte wahr, die ich in der Schweizerischen Gesellschaft in diesem wünschenswerten Ausmass heute nicht mehr finde. Ich steige hinauf in die Bergwelt und spüre edle Kraft, Vernunft, Respekt, Solidarität und Anstand. Wo immer ich ein Motiv für ein Bild suche, sind sie da: Stein gewordene und trotzdem lebendige Wesen, die ich – steige ich wieder herunter – in der Gesellschaft heute leider nur noch als laues Lüftchen wahrnehmen kann. In den Bergen lerne ich jeden Tag aufs Neue, meine Identität als Schweizer nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart zu definieren; einer von der Vergangenheit geprägten Gegenwart, deren Wesen die Veränderung ist. Auch Berge verändern sich; Felsbrocken lösen sich, Gletscher bilden sich zurück. Was bleibt ist die sich täglich neu definierende positive Kraft. Berge sind anständig, vernünftig und solidarisch.» 

– Valentin Roschacher

Das Gemälde »Kreuzberge« von Valentin Roschachers wurde in der Ausstellung «EXPEDITIONEN INS LANDESINNERE» gezeigt.

Peter Fischer, Kurator der Ausstellung, beschreibt Roschachers Werdegang und sein künstlerische Formensprache wie folgt: 

«Valentin Roschacher wendet sich nach Beendingung seiner juristischen Karriere der schon zuvor in kleinerem Ausmass betriebenen Malerei zu. Seine Motive liegen ausschliesslich in der Bergwelt der Schweizer Alpen, zu der er ein verklärtes Verhältnis pflegt: Menschen kommen nicht vor, nicht einmal irgendwelche Anzeichen von Zivilisation. Obwohl ihn dadurch vieles mit dem grossen Luzerner Landschaftsmaler Robert Zünd (1826-1909) verbindet, ist die Haltung eine andere, hatte doch Zünd in scheinbar paradoxer Weise gerade durch die Auslassung zivilisatorischer Spuren die damals unübersehbare Ausbreitung der Industrialisierung zum Thema gemacht, ein kritischer Ansatz, den Roschacher nicht in Betracht zu ziehen scheint. Mit dem Ausspruch «als Strafverteidiger suchte ich während 20 Jahren nach der Wahrheit. In der malerei tur ich das noch länger und es ist nicht leichter!» - weist er seiner Malerei eine metaphysische Funktion zu, scheint doch die Wahrheit keinesfalls in der Realität zu liegen, die der Künstler aus seinen Bildern ja konsequent ausschliesst. Somit setzt er die lange Traditionslinie einer romantischen Landschaftsmalerei fort, als ob es keine Moderne gegeben hätte. Mit der Zelebrierung des Erhabenen stillt er die Sehnsucht nach einer heilen Welt. Bis heute halten die Alpen dafür hin und behaupten sich insofern auch als wichtiger Grundpfeiler der Identität der Schweiz.»

Weitere Gemälde von Valentin Roschacher
Valentin Roschacher »Lauterbrunnerntal mit Eiger, Mönch und Schwarzmönch«, 2006, Inv.-Nr.1-715
Valentin Roschacher »Grosser Mythen (von Brunnen aus) tiefverschneit am frühen Morgen im Winter«, 2009, Inv.-Nr.1-1198
Valentin Roschacher »La Margna (am Silsersee), Engadin«, 2008, Inv.-Nr.1-2453